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Indische Kastanie

Die Castanha India (Aesculus hippocastanum L.), auch  Weiße Kastanie genannt, ist eine von ca. 15 Arten der Gattung Rosskastanien (Aesculus).

Charakteristik

Der Baum der Weissen Kastanie ist bis zu 30 m hoch. Die Blütezeit ist von Mai bis Juni. Die weißen, fünfzähligen Blüten haben, solange sie befruchtungsfähig sind, einen gelben Fleck. Wenn die Blüten älter werden, ist der Fleck rot. Das zeigt den Bestäubern, dass in den Blüten mit roten Fleck nichts mehr an Nektar und Blütenstaub zu holen ist. Die Blüten sitzen zu vielen in aufrecht stehenden Blütenständen zusammen, die im Volksmund auch Kerzen genannt werden. Nach der Befruchtung entstehen die bestachelten Kapselfrüchte. Die Kapselfrüchte enthalten große braune, glänzende Samen, die Kastanien, die für den Menschen ungenießbar sind. Die Weisse Kastanie zählt zu den Pflanzen, die ihre reifen Früchten mittels der Schwerkraft zu Boden fallen lassen (sogenannte Barochorie). Beim Aufprall auf den Boden platzen die Kapseln in der Regel auf und entlassen ihre großen Samen, die je nach Bodenlage noch einige Meter weiter rollen. Diese sehr seltene Ausbreitungsform der Diasporen wird auch als "Schwerkraftwanderung" bezeichnet.

                      

Die Blätter sind sehr groß, fingerförmig gefiedert, oberseits sattgrün, kahl, schwach glänzend und unterseits hellgrün mit filzigen Adern. Der Blattstiel ist bis zu 20cm lang und rinnig. Die einzelnen Fiederblätter sind länglich verkehrt- eiförmig, zwischen 5-7 in der Anzahl, 10-20cm lang und ca. 10cm breit, vorn zugespitzt und mit doppelt gesägtem Blattrand.

Die Rinde ist bei jungen Bäumen hellbraun bis braun und glatt, später wird sie manchmal etwas rötlich und ältere Bäume haben eine graubraunen, gefelderten Borke, die grobrissige Platten biegen sich auf und blättern in Schuppen ab.

Der Baum der Weissen Kastanie kann ein Alter von bis zu 300 Jahren erreichen.

Wirkstoffe

Der getrocknete Samen der Weissen Kastanie birgt viele wertvolle Inhaltsstoffe - hauptsächlich Flavonoide und Saponine, die entzündungshemmend und gefäßschützend wirken:

Etwa 3 bis 8 % sind Saponine, die zum überwiegenden Teil Glykoside des Barringtogenols C und des Protoaescigenins sind. Exakt handelt es sich um ein als Aescin bezeichnetes, aus zahlreichen Einzelkomponenten bestehendes Gemisch acylierter Verbindungen.

Folgende Säuren kommen als Esterkomponenten vor:

Essigsäure,
Angelikasäue,
Tiglinsäure
sowie in geringer Menge a-Methylbuttersäure und Isobuttersäure.

Untergliedert wird das Aescin in das kristalline, hämolytisch inaktive ß-Aescin und das hämolytisch aktive Kryptoaescin. Strukturell unterscheiden sich ß-Aescin und Kryptoaescin durch Art und Bindungsstelle der Säuren. ß-Aescin: Essigsäure am C-22, Angelika- oder Tiglinsäure am C-21; Kryptoaescin: Essigsäure am C-28, Tiglin- und Angelikasäure am C-21 und C-22. Im gelösten Zustand hohe Instabilität mit Wanderung der Acylgruppen, insbesondere der Acetylgruppe.

Der dabei entstehende 22-,28-Diacetylester wird als a-Aescin bezeichnet und ist durch eine sehr gute Wasserlöslichkeit gekennzeichnet. Flavonoide zu etwa 0,2 bis 0,3 %, darunter vor allem Glykoside des Quercetins und des Kämpferols. Verbindungen anderer Stoffgruppen nur in sehr geringer Menge. Aus der Gruppe der Reservestoffe des Embryonen reichlich Stärke (50 %), weiterhin Fettes Öl (ca. 6,5 %) und Eiweiße (7 bis 11 %).

Anwendung

Die Weisse Kastanie wird in der Heilkunde bei

Verletzungen und Verstauchungen,
Blutergüssen,
Rückenschmerzen
Rheumatischen Beschwerden
eingesetzt.

Besonders bewährt hat sich der Samen bei Venenschwäche und Venenerkrankungen.

So hemmt der Wirkstoff Aescin die körpereigene Produktion von Entzündungsstoffen und verringert gleichzeitig die Aktivität von Enzymen, die die Gefäßwände zersetzen und diese somit regelrecht von innen abdichten. Dadurch können entsprechende Präparate schwache oder bereits erkrankte Venen auf mehrfache Weise unterstützen: Der Venentonus und die Fließgeschwindigkeit des Blutes steigen, während gleichzeitig die Bildung von Wasseransammlungen im Gewebe (Ödemen) verhindert wird.

Dies haben auch verschiedene klinische Studien im Vergleich zu Scheinmedikamenten (Placebos) und anderen Präparaten belegen können.

In einer Studie erhielten Patienten mit chronischer Venenschwäche vier Wochen lang einen Extrakt aus dem Samender Weissen Kastanie. Die Hälfte der Testpersonen (Gruppe A) bekamen täglich diesen Extrakt mit 100 mg Aescin, die andere Hälfte (Gruppe B) ein Placebo (ein unwirksames Scheinpräparat).

Ergebnis:
Schon nach zwei Wochen hatte der Umfang von Füßen und Unterschenkeln in der Behandlungsgruppe A deutlich abgenommen. Gleichzeitig gingen Schmerzen, Müdigkeit, Spannungsgefühle und Juckreiz zurück. Nicht zuletzt aus diesen Gründen befürwortet auch eine Expertengruppe zur Beurteilung von pflanzlichen Arzneimitteln, die Anwendung von Extrakten der Weissen Kastanie bei chronischen Venenerkrankungen, wie z. B. Krampfadern, Schmerzen oder Schweregefühl in den Beinen, Schwellungen, Krämpfen oder Juckreiz.

Wie bei fast allen pflanzlichen Arzneimitteln stellt sich eine Wirkung zumeist erst nach mehreren Wochen ein. Daher entsprechende Präparate über einen längeren Zeitraum von mindestens drei Monaten einnehmen.
 
Wirkungen:
Aescin wirkt gefäßabdichtend. Als Folge dessen antiexsudativ und ödemprotektiv. Wirkungsmechanismus noch nicht eindeutig erwiesen. Vermutet wird, dass Aescin und Rosskastanienextrakt die pathologisch erhöhte Kapillarpermeabilität vermindern durch eine Hemmung von Enzymen, die in der Venenwand enthaltene Proteoglykane abbauen (lysieren, auflösen; daher Bezeichnung "lysomale Enzyme") und somit die Gefäßwände schädigen. In klinischen Studien, in denen zumeist auf Aescin standardisierte Rosskastanienextrakte eingesetzt wurden, konnte eine signifikante Besserung von Symptomen der chronischen Veneninsuffizienz (Müdigkeits-, Schwere- und Spannungsgefühl, Juckreiz, Schmerzen und Schwellungen in den Beinen) nachgewiesen werden.
 
Anwendungsgebiete:
Innerlich zur Behandlung von Beschwerden bei Erkrankungen der Beinvenen (chronische Veneninsuffizienz). Zu diesen zählen zum Beispiel Schmerzen und Schweregefühl in den Beinen, nächtliche Wadenkrämpfe, Juckreiz und Beinschwellungen.

Gegen-Indikation: Keine bekannt.
 
Unerwünschte Wirkungen: Saponine besitzen eine unspezifische schleimhautreizende Wirkung. Daher können nach Einnahme in seltenen Einzelfällen Juckreiz, Übelkeit oder Magenbeschwerden auftreten.
 
Wechselwirkungen mit anderen Mitteln: Nicht bekannt.


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